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Infografiken! Denn das Auge lernt mit

Infografik-Beispiel

Gehören auch Sie zu den Menschen, die eine inhaltlich vielversprechende Internetseite schon nach wenigen Sekunden wieder schließen, weil sie einfach schlecht aussieht? Ein Grund dafür ist, dass unser aller Anspruch an das Look & Feel digitaler Produkte stetig ansteigt. E-Learning Akteure stehen daher vor der Herausforderungen diesen Designhunger auf didaktisch sinnvolle Art und Weise zu stillen. Doch auf der Suche nach Lösungen brauchen wir nicht in die Ferne zu schweifen, denn die Infografik liegt so nah.

Staunen, verstehen, behalten – die Infografik
Wenn Sie wie ich begeisterter Leser der ZEIT sind, wissen Sie auch, dass die Infografik im Journalismus auf eine lange Tradition zurück blickt. Ob Mülltrennung oder Internetzensur – jede Woche visualisiert ein findiger Grafiker ein aktuelles Thema für die Serie “Wissen in Bildern“. Wo anderenorts dröge Textwüsten den Leser vergraulen, verpacken Infografiken selbst große Zahlenwüsten in eindrucksvolle Darstellungen, wie auch diese Sammlung von E-Learning Infografiken beweist. Doch was genau macht den Reiz einer Infografik aus? Tom Kuhlmann identifiziert in einem sehr lesenswerten Artikel fünf Wesensarten einer Infografik: Konzentrierte Information, visueller Hook, auffällige Farbgebung, kühne Schriftarten und ikonische Bilder. Ähnlich lesen sich auch Amy Ballietts Do’s and Don’ts of Infographic Design. Gute Infografiken schöpfen aus diesen Gestaltungselementen nicht nur einen ästhetischen Mehrwert, sondern arbeiten gezielt die entscheidenden Zusammenhänge heraus – und zwar so, dass sie sich ins Gedächtnis einbrennen. Damit ist natürlich ein hoher gestalterischer Aufwand verbunden, der schnell Budget- und / oder Kompetenzgrenzen überschreitet. Vor diesem Hintergrund ist es spannend die Entwicklung von visual.ly zu beobachten. Der kostenlose Online-Dienst erlaubt es derzeitig zwar nur Infografiken zu Facebook- und Twitter-Daten erstellen zu lassen, verspricht für die nahe Zukunft aber auch andere Themen in sein Angebot mit aufzunehmen. Bis dahin plädiert Tom Kohlmann dafür nicht die Infografik als solche, sondern vielmehr nur ihre Gestaltungsprinzipien auf das E-Learning umzumünzen. Er argumentiert weiter, dass sich die verschiedenen Sektionen einer Infografik prinzipiell leicht auf die nacheinander folgenden Folien eines klassischen Lernprogramms übertragen ließen. Anstelle einer einzigen Infografik stünden dann mehrere Seiten mit an Infografiken angelehnten Visualisierungen.

Der Teufel steckt im Groben
Problematisch an Kuhlmanns pragmatischen Ansatz ist jedoch, dass er eine wesentliche Stärke von Infografiken außer Acht lässt, nämlich die Darstellung des “Big Picture”. Denn Infografiken sind auch deshalb für das Lernen interessant, weil sie einen umfangreichen Inhalt mit all seinen Details und Zusammenhängen in einer einzigen Darstellung greifbar machen. Gerade wenn wir uns in neue Themen einarbeiten, ist diese Rückkopplung zwischen dem Detail und dem großen Ganzen unerlässlich. Wir lernen am besten, wenn wir das Neue dem Bekannten unterordnen können. Genau hier versagen sequenzielle Folien kläglich. Doch der Platz auf dem Bildschirm ist begrenzt und erzwingt daher eine Aufteilung. Wie aber trotzdem der Bezug zum Gesamtbild erhalten bleiben kann zeigt prezi.com. Das kostenlose online Präsentations-Tool ordnet die Folien nicht in einer linearen Leiste, sondern räumlich verteilt auf einem großen Bild an. Als Präsentierender können Sie so zunächst einen grafischen Überblick Ihres Inhaltes geben und dann sichtbar in die Details hinein zoomen. Gut gemachte prezis kehren nach jedem Kapitel wieder zum Ausgangsbild zurück, um eine optimale Einordnung zu ermöglichen. Im Idealfall finden Sie sogar ein Hintergrundbild, das als Analogie für den gesamten Inhalt taugt. Denn dann können Sie die Folien gezielt auf den entsprechenden Bildelementen ablegen. Nehmen wir nun an, dieses Hintergrundbild ist eine nach allen Regeln der Kunst gestaltete Infografik – dann können wir diese mit dem prezi-Prinzip auch im E-Learning Schritt für Schritt erkunden. Denkbar wäre den Lernenden mit der großen Infografik starten zu lassen, um ihm einen groben Überblick zu geben. Details der Grafik können auch ausgeblendet sein, damit er nicht glaubt jetzt schon alles verstehen zu müssen. Nun klickt der Lernende in eine Sektion der Infografik und wird sichtbar zu einer Unterseite geleitet, welche die Sektion in allen Details erklärt. Danach kehrt der Lernende wieder zur großen Grafik zurück. Mit weiteren Überlegungen ließen sich sicherlich auch Interaktionen, Aufgaben und Storylines einflechten.

Vom Bild her denken
Natürlich ist die Infografik nicht das Allheilmittel des E-Learning und eignet sich das beschriebene Szenario nicht für jeden Auftraggeber. Dennoch lohnt es sich bei der Entwicklung stärker vom Bild her zu denken. Dazu gehört es auch Schmuckgrafiken aus dem Lernprogramm zu verbannen und durch bedeutungsvolle Bilder zu ersetzen. Um ansprechende Lernerlebnisse zu schaffen, sollten Konzeption und Visualisierung nicht aufeinander folgen, sondern von Beginn an Hand in Hand gehen. Wer übrigens wie ich eine Faible für künstlerische Infografiken hat, findet sicher Gefallen an den Information is Beautiful.

Bild: WeberShandwick (visual.ly)

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