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opco12: Alles mobile, oder was?

opco12-Mobile-Apps

“Schaffen wir es Anwendungssituationen mehrwertig zu unterstützen?” ist laut Christoph Igels Vortrag beim gestrigen opco12 Online Event die Gretchenfrage des Mobile Learning. Gesucht werden keine Content-Transporte vom großen auf das kleine Display, sondern Lernszenarien in denen die Mobilität von Smartphone und Tablet auch tatsächlich zur Geltung kommt. In den Beiträgen der opco12 Community lassen sich nach meinem Beobachten drei solcher Szenarien für Mobile Apps erkennen.

Service Apps
Ob nun die von Herrn Igel vorgestellte App Learn & Go, das im Horizon Report erwähnte iPrinceton oder das vom opco12 verlinkte RUB mobile – sie alle unterstützen den Studienalltag indem sie verschiedene universitäre Services mobil verfügbar machen. Vom Campus-Plan bis zum OPAC-Zugang werden Informationen, die sonst weit über das Uni-Netz verteilt sind, in die Handflächen der Studierenden gebracht. So manchem Studienanfänger mag so der ein oder andere Irrweg durch die Universitätsflure erspart geblieben sein. Unterstützt wird hier jedoch weniger das Lernen selbst als vielmehr die Lerninfrastruktur. Das Drumherum des Lernens wird einfacher, während der Prozess des Lernens völlig unberührt bleibt. Solche Service-Apps könnten sich auch bei nicht-universitären Bildungsanbietern bewährt machen. Etwa wenn Programme, Seminarangebote, Trainerprofile, Termine und Kursmaterialien zu einem handlichen Paket geschnürt und zum Gratis-Download angeboten würden. Ein Schelm, wer hier auch einen Marketing-Kanal wittert.

Nice-to-have Apps
Etwas irritiert hat mich die Begeisterung mit der an verschiedenen Stellen für Lernkartei-Apps geschwärmt wurde. Praktisch mag so eine digitale Sammlung von Drill & Practice Kärtchen wie sie etwa die Fernuniversität Hagen anbietet ja sein, aber ein funktionaler Mehrwert gegenüber der Papierversion besteht nicht. Ähnliches gilt für Umfrage-Apps mit denen Lehrende im Hörsaal um die Meinung ihrer Studierenden bitten oder sie eine Frage beantworten lassen können. Mag sein, dass es Menschen gibt, die hier eine nennenswerte Verbesserung gegenüber dem schlichten Handzeichen erkennen – ich selbst gehöre jedoch nicht dazu. Vielmehr sehe ich hier lediglich Nice-to-haves und keine Must-Haves. Claudia Bremer unterscheidet die genannten App-Typen in ihrer Systematik übrigens in Apps für Selbstlernphasen und Apps für die Lehrveranstaltung. Eine Trennung, die sicher logisch, aber aus meiner Sicht nicht unbedingt notwendig ist, da beide Methoden gleichermaßen innovationsarm sind. Nice to have wären solche Apps sicher auch für Kunden kommerzieller Bildungsanbieter. So ließe sich eine App anbieten auf welcher die Lernenden z. B. die Glossare und Testfragen von WBTs laden und in Form von Karteikarten und Quizfragen einstudieren könnten.

Situierte Apps
Der Tenor der opco12 Community scheint jedoch zu sein, dass Mobile Apps ihr Potential erst dort entfalten, wo der Ort oder das Objekt des Lernens eine Rolle spielen. Wenn Lernende einen Ort oder ein Objekt mit ihrem Smartphone erkunden, dokumentieren und teilen können, entsteht tatsächlich ein echter Mehrwert. Dennoch ist es wichtig zu erkennen, dass auch dieses Szenario das didaktische Rad nicht neu erfindet, sondern lediglich eine Erweiterung alt bekannter und bereits ausführlich diskutierter Lernformen ist. Anschlussfähig sind natürlich Ansätze des situierten Lernens, wobei hier zu beachten ist, dass Situiertheit nicht erst am realen Handlungsort entsteht. Situiertes Lernen ist auch dann schon gegeben, wenn der Lerninhalt in einen zwar fiktiven aber dennoch konkreten Handlungskontext eingebettet wird. Wirklich spannend wird dieses Szenario des Mobile Learnings für mich jedoch erst durch den Einsatz von Augmented Reality, weil sie es erlaubt einen Inhalt direkt auf einem realen Objekt “abzulegen”. Das US-Militär macht bereits vor, wie zum Beispiel KfZ-Mechnaiker mit Augmented Reality lernen und arbeiten können. Jetzt könnte ich auch noch Google Glass ins Spiel bringen, aber dann wird die Zukunftsmusik doch etwas zu laut.

Um die Gretchenfrage des Mobile Learning wirklich vollständig zu beantworten, muss jedoch noch ein letzter Punkt beachtet werden. Nur weil etliche Smartphones im Umlauf sind und der App Store sämtliche Rekorde bricht, bedeutet das nicht, dass Mobile Learning immer und für jeden sinnvoll ist. In einem früheren Beitrag habe ich bereits beschrieben, dass mobiles Lernen erst dann einen wirklichen Mehrwert bietet, wenn die Lernenden tatsächlich einen Bedarf an Mobilität haben und der Inhalt überhaupt mobil erlernbar ist. Für alle Didaktiker bedeutet dies Mobile Apps in ihren Methodenpool aufzunehmen und nur bei wirklichem Bedarf auch tatsächlich anzuwenden.

Bild: mbortolino (istockphoto); opco12

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13 Comments Post a comment
  1. barbbraun #

    Die Einteilung und Bewertung erscheint mir durchdacht und ich kann nur unterstreichen, dass die erweiterten technischen Möglichkeiten wenige (dafuer aber spannende) didaktische Neuerungen bieten. Ich denke der Einsatz der Apps wird sich ähnlich wie der LMS-Einsatz in den letzten Jahren entwickeln: je nach Gebiet 80-95% herkömmliches digitalisiertes Lehrmaterial, und dann ein kleiner Teil, der sich mit den damals didaktisch neuen Moeglichkeiten beschäftigt.

    Ich möchte den Aspekt der erweiterten Vernetzung und Erreichbarkeit noch hinzufügen, auch wieder weniger eine didaktische Thematik als eine allgemeine Veränderung unserer Lebensweise. Und vielleicht ist es auch das, was das Thema Mobile Apps so attraktiv für Bildungswissenschaftler macht – die Veränderungen die unser Leben durch Technik erfährt macht vor dem Lernen und den Lehr-/Lernmitteln nicht halt. Aber es ist keine didaktische Revolution.

    April 27, 2012
    • Was Ihren Vergleich zum LMS-Einsatz angeht gebe ich Ihnen absolut Recht. “Warum in das Kreative schweifen, wenn das Bekannte liegt so nah?” ist hier wohl das Motto. ;-) Aber natürlich macht ein Mobile Szenario auf Basis von Augmented Reality auch nicht in jedem Fall Sinn.

      Spannend finde ich auch, dass Sie auf den Einfluss der Technik auf unserer Leben und damit auch auf das Lernen hinweisen. Mein Verdacht ist, dass die Verbreitung mobiler Endgeräte zu deutlich kleineren Lerneinheiten führen wird. Denn die Zeit am Smartphone ist häufig ein Lückenfüller, was auch der Erfolg kurzweiliger Casual Games wie etwa Angry Birds zeigt. In diesem Zusammenhang wird auch schon länger von Micro Content und Learning Nuggets gesprochen. Nur, dass sich wohl nicht jedes Lernziel in solchen kleinstschritten erreichen lassen wird.

      April 27, 2012
  2. frawadi #

    Die Umfrage-Apps haben einen ganz entscheidenden Vorteil gegenüber dem Handzeichen: Die Studierenden können anonym abstimmen. Da diese Apps auch meist noch mehr können, werde ich das wohl gleich mal in einem eigenen Beitrag vertiefen, damit der didaktische Mehrwert -von dem ich in diesem Falle fest überzeugt bin- etwas klarer wird.

    April 27, 2012
    • Die Anonymität ist natürlich ein Punkt. Dann bin ich ja mal gespannt auf Ihre Erläuterungen.

      April 27, 2012
  3. Hallo, danke für die Referenz, “unterscheidet die genannten App-Typen in ihrer Systematik übrigens in Apps für Selbstlernphasen und Apps für die Lehrveranstaltung.”… zum besseren Verständnis: ich unterscheide eigentlich nicht Apps für dies und das, sondern es können dieselben Apps ggf. sein, ich unterscheide hier eher die Anwendungs/Nutzungsszenarien. Danke, es zeigt mir, ich hätte es noch klarer formulieren können. Gruss Claudia Bremer

    April 27, 2012
    • Danke für den Hinweis, Frau Bremer. Da hätte ich natürlich etwwas genauer hinsehen müssen. :-) Aber dieses Missverstädnnis zeigt auch wie wichtig es ist zwischen den Apps und möglichen Anwendungszenarien zu unterscheiden. Das läuft auch auf die Frage hinaus, ob wir Szenarien für die Apps entwickeln, die wir schon haben oder ob wir andersherum unsere Apps an bestehenden Szenarien ausrichten. Eine gute Balance ist wahrscheinlich angebracht. Schön auch, dass sich unsere Kommentare hinsichtlich App und Szenario so gut ergänzen.

      April 27, 2012
  4. Vielen Dank für diesen Artikel, er hat mir einige Punkte aus dem Vortrag von Christoph Igels noch etwas klarer gemacht.

    April 30, 2012

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