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Geschichten, die das Lernen schreibt

Lesen-im-Grünen

Sie kennen das: Mühevoll folgen Sie einem trockenen Vortrag und sind kurz davor vollends in ihre eigenen Gedanken abzudriften als der Redner plötzlich sagt: “Lassen Sie mich Ihnen dazu eine Geschichte erzählen.” Vom Vortrag werden Sie hinterher kaum etwas behalten haben, aber an die Geschichte werden Sie sich noch lange erinnern. Denn Geschichten faszinieren uns von Kindesbeinen an und eignen sich daher ganz besonders für den Transport von Lerninhalten.

Bausteine einer Lerngeschichte

Damit die Geschichte ihre lernförderliche Wirkung entfalten kann, ist es notwendig, dass sie in engem Bezug zum Berufsalltag des Lernenden steht. Shelley Gable empfiehlt E-Learning-Autoren daher im Gespräch mit dem Fachexperten nicht nur die zu vermittelnden Inhalte anzusprechen, sondern auch gezielt nach passenden Geschichten aus der Arbeitspraxis zu fragen. Hierfür definiert sie verschiedene Bausteine einer Lerngeschichte, die der Autor in Erfahrung bringen muss. So ist zunächst zu klären, wer die handelnden Charaktere der Geschichte (characters) sind. Damit sich die Lernenden tatsächlich mit ihnen identifizieren können sollte darauf geachtet werden, dass die Figuren in ihren Merkmalen möglichst repräsentativ für die Belegschaft sind. Alter, Geschlecht, Bildungsstand und Kleidung können hier eine wichtige Rolle spielen. Weiterhin sind die Ausgangssituation festzulegen und die verschiedenen Handlungsmöglichkeiten und Konsequenzen (development) abzustecken. Hieraus sollte sich schließlich der Höhepunkt (climax) im Sinne eines Lernmomentes ableiten und die Geschichte schließlich zu einem resümierenden Ende (ending) gebracht werden. Je nach Lerninhalt ist es mehr oder weniger schwierig solche Geschichten zu entwickeln. Allerdings gilt, dass gerade trockene und praxisferne Themen eine narrative Aufwertung bitter nötig haben.

Pointierte Episoden anstelle langwieriger Romane
Nun ließe sich mit Recht einwenden, dass eine Lerngeschichte nicht nur den konzeptionellen Aufwand erhöhen, sondern dem E-Learning auch einen ungewollt “märchenhaften” Charakter verleihen könnte. Dem ist jedoch zu entgegnen, dass auch schon kurze Geschichten von wenigen Lernminuten einen großen Effekt haben können ohne dabei zu stark in den Vordergrund zu treten. Es ist nicht unbedingt notwendig die gesamte Anwendung in eine Erzählung zu kleiden, wenngleich dies einen besonders großen Mehrwert mit sich brächte. Vielmehr können Geschichten schon als kurze, mit Sprechertext unterlegte Bildfolgen überzeugen, etwa um zu Beginn eines Kapitels auf ein Problem aufmerksam zu machen oder an dessen Ende die Anwendung der Inhalte zu demonstrieren. Auch die die Möglichkeit des Lernenden in die Geschichte einzugreifen kann unterschiedlich weit ausfallen. So lassen sich Aufwand und Gesamteindruck des E-Learning gezielt regulieren und auf die individuellen Anforderungen des Kunden anpassen. Auch was die Gestaltung angeht empfiehlt sich zwar ein eigener Foto-/Video-Termin am Arbeitsplatz des Lernenden, kann aber auch eine kluge Auswahl an Stock-Fotos bereits bleibenden Eindruck hinterlassen. In manchen Fällen können auch Comics angebracht sein. Die oberste Maxime bleibt jedoch in allen Fällen die gleiche: Die Geschichte muss aus Sicht des Lernenden authentisch und relevant sein, um ihre lernförderliche Wirkung voll entfalten zu können.

Bild: krystiannawrocki (istockphoto)

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