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E-Learning Pfeffer Nr. 1

Pfeffer-Koerner

Verführerisch ist so eine Instant-Lösung allemal: Es geht schnell, ist einfach und man weiß genau was am Ende rauskommt. Doch was für Ravioli aus der Dose gilt trifft auch auf E-Learning zu: Die immer gleiche Nummer reißt auf Dauer keinen mehr vom Hocker. Daher sammle ich ab heute in meiner neuen Reihe “E-Learning Pfeffer” Tipps und Techniken für besseres E-Learning. Wohl bekomm’s!

Pfefferkorn Nr. 1: Vorlesen oder nicht vorlesen, das ist NICHT die Frage!
Denn die Antwort lautet ganz eindeutig nein, nicht vorlesen. Die Rede ist vom Bildschirmtext in einer E-Learning Anwendung. Cathy Moore erklärt hierzu, dass die Redundanz von Sprache und Text nicht nur die kognitive Belastung erhöht, sondern die Lernenden auch entmündigt. Denn wer Erwachsenen vorliest degradiert sie unweigerlich zu Vorschulkindern. Cathy schlägt statt dessen vor grundsätzlich mit wenig Text zu arbeiten und die Inhalte auf Text, Sprache und Bild zu verteilen anstatt zu doppeln. Nun hat man mich auch schon mit den Argumenten konfrontiert alle Sprache müsse auch als Bildschirmtext erscheinen, damit keine Information “verloren” gehe und eilige Lernende die Inhalte besser überfliegen können. Beides sind valide Punkte, sprechen aber nicht automatisch für die Dopplung von Text und Sprache. Besser ist hier eine Funktion den Sprechertext stumm zu schalten und statt dessen als Bildschirmtext anzeigen zu lassen. So geht nichts verloren und jeder lernt in seinem Tempo.

Pfefferkorn Nr. 2: Es bleibet dabei, die Navigationen sind frei.
Es gibt tatsächlich immer noch Menschen, die glauben jemand würde etwas lernen nur weil man ihn zwingt einen Inhalt anzusehen. Solche Ansichten resultieren dann in rigiden Navigationskonzepten, welche die Lernenden nötigen sich jede Seite vollständig aufbauen zu lasen bevor er zur nächsten wechseln darf. Ich könnte jetzt Theorien der Erwachsenenbildung bemühen, die klipp und klar aufzeigen, dass Lernen immer ein freiwilliger Akt ist. Aber eigentlich wissen wir das doch alle aus eigener Erfahrung. Wir können auf Zwang runterwürgen und wiederkauen. Aber mit “echtem” Lernen hat das wenig zu tun. Tom Kuhlmann bestätigt genau diese Erkenntnis, wenn er erklärt, dass Menschen keine Scanner sind, die Informationen aufnehmen nur weil sie diese sehen. Seine Schlussfolgerung: Die Navigation soll die Lernenden durch die Inhalte führen aber nicht hindurch gängeln. Sie soll Wege aufzeigen aber nicht die Route festlegen.

Pfefferkorn Nr. 3: Multiple Choice ist nicht gleich Multiple Choice.
Hierzulande verschreien wir Multiple Choice Aufgaben häufig als die stupideste aller Testform. Schließlich müssten die Lernenden hier keine eigenen Gedanken formulieren sondern nur Zahl X oder Begriff Y erinnern. Ersteres trifft in der Tat zu, letzteres allerdings nicht. Mike Dickinson beschreibt in einem sehr lesenswerten Artikel wie Multiple Choice Aufgaben auch höherrangige Lernziele abfragen können. Schon am unteren Ende der bekannten Lernzielhierarchie von Bloom finden sich Differenzierungsmöglichkeiten. Sollen die Lernenden nicht nur die Merkmale eines Produktes, sagen wir eines Medikamentes, kennen, sondern auch verstehen warum es besser wirkt als der Vorgänger, dann fragen Sie nicht die Merkmale ab, sondern stellen Sie mehrere Gründe für die Wirksamkeit des Medikamentes zur Auswahl. Ganz oben steht die Fähigkeit zur Bewertung von komplexen Sachverhalten – nehmen wir das Protokoll einer TüV-Prüfung. Können die Lernenden aus einer Reihe von Auswertungen die richtige auswählen, zeigt das, dass sie das Protokoll korrekt bewertet haben. Ich empfehle hier allerdings eher mit Freitext-Aufgaben zu arbeiten und eine als Feedback eine Muster-Lösung zu geben. Lernende, die überhaupt für ein so hohes Lernziel in Frage kommen können in ihrem Fachbereich gut mit solchen Musterlösungen umgehen.

Bild: Pannonia (istockphoto)

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