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Mit Prototyping zum Projektfrieden

Architektur-Modell

“Das habe ich mir aber ganz anders vorgestellt!” lautet eine häufige Beschwerde des Auftraggebers bei der ersten Sichtung eines E-Learning Kurses. Auch wenn der Autor die fragliche Seite im Drehbuch exakt beschrieben hat, reicht dies  manchmal nicht aus, um allen Beteiligten eine klare Vorstellung des Endproduktes zu vermitteln. Kann das aus anderen Branchen bekannte Prototyping hier Abhilfe schaffen?

Nicht obwohl, sondern weil das Budget so eng kalkuliert ist!
Bevor ein Architekt auch nur den ersten Spatenstich freigibt bastelt er ein detailliertes Modell des geplantes Bauwerkes. Denn die Miniaturausgabe gibt ihm selbst und seinen Auftraggebern einen weit besseren Blick auf das Vorhaben als die bloßen Bauzeichnungen. So werden kostspielige oder gar unmögliche Änderungswünsche am Endprodukt vermieden und ist folglich auch der Mehraufwand schnell gerechtfertigt. Warum also dieses Prinzip nicht auf das E-Learning anwenden? Diese Frage stellt auch Judy Unrein im Kontext ihrer Buchbesprechung von Todd Zakis “Prototyping”. Ihr zufolge führen E-Learning-Schaffende hier gerne das enge Budget ins Feld, das Zusatzaufgaben jedweder Art undenkbar mache. Dass dieses Argument zu kurz greift, sagt auch meine eigene Erfahrung. Denn Missverständnisse im Drehbuch führen zu mehrfachen Änderungsschleifen in der Produktionsphase, die weit mehr Kosten verursachen als ein paar zusätzliche Stunden für die Konzeption. Es hilft auch nicht das Drehbuch wortreich zu erklären, da eine Animation immer erst beim Ansehen, eine Interaktion stets erst beim Ausprobieren wirklich greifbar wird.

Es geht um das nackte Erlebnis
Dass Prototyping auch im E-Learning seinen Platz hat steht also außer Frage. Doch wie sollte er aussehen, der perfekte Prototyp? Eine sehr anschauliche Antwort gibt Leif Cederblom im Video-Interview mit Cathy Moore. “A prototype should be quick, dirty and incomplete.” heißt es dort. Im Mittelpunkt steht das Nutzererlebnis. Der Prototyp soll zeigen wie es sich für die Lernenden anfühlen wird das Programm zu verwenden. Einfache Skizzen und inhaltliche Platzhalter sind vollkommen ausreichend, solange das Wesen der Interaktion erfahrbar wird. Denn dieses ist es, welches sich im Drehbuch so schwer kommunizieren lässt. Im Idealfall werden die Anmerkungen des Auftraggebers in den Prototyp eingearbeitet und erneut zur Diskussion gestellt. Überhaupt sollte so ein Prototyp von möglichst vielen unterschiedlichen Personen bewertet werden, um alle Perspektiven zu berücksichtigen. Was die notwendigen Tools angehet können schon Powerpoint oder auch der unten beschriebene Smartbuilder ausreichende Funktionen bieten. Natürlich ist auch ein abgesegneter Prototyp keine Versicherung gegen späte Änderungswünsche. Aber je kleiner die Transferleistung zwischen Drehbuch und Produktion, desto weniger wird die Vorstellungskraft der Beteiligten strapaziert und desto wahrscheinlicher wird eine glückliche Einigung auf ein Endprodukt.

Bild: Franck-Boston (istockphoto)

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