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Ist Mobile Learning der große Trend?

Ist Mobile Learning der große Trend?

“Es gibt eine App dafür!” ist zu einer symptomatischen Redewendung unserer Zeit geworden. Smartphones und Tablet sind beliebt und ihre Nutzer erwarten für jede Desktop-Anwendung ein mobiles Äquivalent. Vor diesem Hintergrund kann hinter Mobile Learning kein Fragezeichen, sondern nur ein Ausrufungszeichen stehen. Doch stimmt dieser Gedanke auch dann noch, wenn sich herausstellen sollte, dass mobiles Lernen für viele Nutzer und für wichtigen Inhalt gar nicht geeignet ist?

Mobiles Lernen für wen?
Auf den ersten Blick scheint es, also könne Mobile Learning das Anytime-Anywhere-Versprechen des E-Learning nun wirklich einlösen. Endlich können die Lernenden völlig frei über Lernort und Lernzeit verfügen. Aber warum sollte sich jemand dem kleinen Display und den funktionsärmeren Anwendungen seines Smartphones aussetzen, wenn er acht Stunden am Tag an einem leistungsfähigen Desktop-Computer verbringt? Ich selbst bin in einem früheren Beitrag zum Thema der Idee aufgesessen, dass Mobile Learning eine tolle Möglichkeit sei durch das nachträgliche Zusenden von Lern-Nuggets den Lerntransfer nach einem Seminar oder WBT zu fördern. Doch bei näherer Überlegung wird klar, dass es zum Empfangen eines solchen Inhaltes gar kein Smartphone braucht. Interessant ist Mobile Learning daher eher für Menschen, die nicht permanent am Computer arbeiten. Vorausgesetzt natürlich die Arbeitgeber sind bereit all ihren Verkäufern, Handwerkern und Sozialarbeitern ein Smartphone oder Tablet zu spendieren. Denn die mobilen Endgeräte sind trotz ihrer Beliebtheit weit entfernt von einer flächendeckenden Verbreitung. Bedenkt man dann noch die von Donald Clark beschriebenen Beschränkungen von Smartphones und ihre Auswirkungen auf das Lernen, erscheint es einigen vielleicht doch attraktiver den Käsefachverkäufer für eine halbe Stunde nach hinten ins Büro zu holen, um ihn dort zum Lernen vor den Desktop-Computer zu setzen. Das muss nun nicht heißen, dass es gar keine Zielgruppe für Mobile Learning gäbe, aber sie ist definitiv kleiner als vielleicht gedacht.

Mobiles Lernen für was?
Gehen wir nun einmal davon aus, jemand fällt in den Kreis der Mobile Learning Kandidaten – kann er mit seinem Smartphone wirklich seinen kompletten Lernbedarf abdecken? Mobile Learning suggeriert nicht nur technische Beschränkungen, sondern auch kurze Lernzeiten. Damit ist es ideal für Microcontent (hierzu empfehle ich die ViWi-Präsentation von Martin Lindner) und ungeeignet für große Lernbrocken. Denn wenn ich die Qualitätspolitik meiner Firma oder die Kommunikationstheorie von Luhmann nicht nur wiederkauen, sondern wirklich verstehen will, brauche ich Zeit und Ruhe. Soll ich darüber hinaus auch noch in der Lage sein den neuen Compliance-Kodex nicht nur zu kennen, sondern auch anzuwenden, benötige ich zudem bedeutungsvolle Interaktionsmöglichkeiten. Beides kann Mobile Learning heute nur bedingt bieten. Wie immer gilt daher, dass nicht einfach jeder Inhalt – und schon gar nicht ohne Anpassung – von einem Format auf ein anderes übertragen werden kann.

Mobiles Lernen als Arbeitshilfe
Die Mobilität des Lernens ist also weder von jedem gebraucht, noch für alles geeignet. Und dennoch sehe ich ein Einsatzgebiet auf dem Smartphones und Tablets tatsächlich lernförderlich sein können: Arbeitshilfen. Cathy Moore beschreibt das “Action Mapping” als eine Methode mit der sich erarbeiten lässt, welcher Inhalt in einen “Kurs” (kann hier m. E. für WBTs und für Seminar stehen) aufgenommen und welcher besser in eine Arbeitshilfe ausgelagert werden sollte. Solche Arbeitshilfen umfassen Inhalt, den die Lernenden nicht permanent im Gedächtnis haben müssen. Vielmehr sollten sie im Kurs lernen wo sie diese Informationen finden und wie sie mit ihnen umgehen. Für die oben umrissene Zielgruppe von Menschen ohne festen Computer-Arbeitsplatz, aber mit mobilem Endgerät, bietet es sich aus meiner Sicht an diese Arbeitshilfen auf Smartphones und Tablet verfügbar zu machen. Ich stelle mir hier einen Fabrikarbeiter vor, der seinen Kollegen an dessen Maschine vertreten soll. Er hat gelernt, dass er jede Maschine vor Inbetriebnahme entsichern muss. Da er aber mit der Maschine wenig vertraut ist, scannt er zunächst mit dem Smartphone den an der Maschine angebrachten QR-Code und sieht sogleich die Entsicherungsanweisung auf dem Display. Vielleicht löst er noch ein kleines Quiz zu den Sicherheitshinweisen.

Man mag zurecht kritisieren, dass solche Arbeitshilfen die Möglichkeiten von Mobile Learning nicht ausschöpfen. Doch mit diesem Anwendungsbeispiel möchte ich auch nicht das einzig wahre Mobile Learning Szenario definieren, sondern deutlich machen, dass Mobile Learning in ein umfassendes Weiterbildungskonzept integriert werden muss und zwar unter Berücksichtigung von Zielgruppe und Lerninhalt.

Bild: TommL (istockphoto); WissensWert

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