Skip to content

opco12: Lernen auf dem Silber-Tablet

Tablet-Computing

Viele opco12 Teilnehmer haben diese Woche schon ihr Unverständnis über Tablet Computing als eigene Kategorie im Horizon Report geäußert: Haben wir das nicht schon mit der Diskussion um Mobile Apps abgehandelt? “Ja, fast” möchte ich antworten, denn zwei Aspekte von iPad, Galaxy & Co. verdienen tatsächlich besondere Beachtung – wenn auch keine große.

Tablets sind auch (nur) mobile Devices
Da ich mit viel Skepsis in die neue opco12 Woche gestartet bin, habe ich mich sehr über die tatsächlich kritische Diskussion des Themas beim Online-Event gefreut. Zu verdanken habe ich das vor allem Herrn Honegger und seinen fünf Thesen zum (Un-)Sinn von Tablets in Aus- und Weiterbildung. Schön auch, dass endlich einmal jemand den sehr fragwürdigen, weil unkritischen Stil des Horizon Reports anprangert. Nur weil sich Tablets gut verkaufen bedeutet das noch lange nicht, dass sie einen echten Mehrwert für das Lernen bieten, zumal wohl die wenigsten iPad-Käufer ein neues Lernutensil im Sinn hatten, als sie sich in die Schlangen vor den Apple Stores einreihten. Am Ende des Events haben wir dann unter anderem gelernt, dass eine 1:1 Versorgung von Schülern und Studenten mit mobilen Endgeräten notwendig und wahrscheinlich ist, das jeweilige Gerät aber gerne auch ein Smartphone oder ein Laptop sein darf. Dann können die viel skizzierten Szenarien zum Einsatz dieser Geräte in Klassenzimmer und Hörsaal auch auf breiter Front realisiert werden. Ähnliches sollte wohl ebenfalls für andere Bildungsanbieter gelten. BYOD ist dann auch selbstverständlich. Nachzulesen sind diese Ergebnisse auch im anschaulichen Bericht vom opco12-Teilnehmer Trillian.

Lernerlebnisse auf dem Sofa
Doch auch, wenn sich Tablets die meisten lernrelevanten Eigenschaften mit Smartphones und Laptops teilen, sind sie am Ende doch merklich verschieden von ihnen. Glauben wir Steve Jobs, dem Erfinder des iPad, haben Tablets zwei Alleinstellungsmerkmale: Sie schaffen erstens ein außergewöhnliches Nutzererlebnis und sind zweitens besonders bequem in der Nutzung. In seiner Präsentation des ersten iPads erklärt Jobs, ein Gerät, das zwischen Smartphone und Laptop Platz finden wolle, müsse diese in zentralen Anwendungsbereichen wie Browning, E-Mail oder Medienkonsum übertrumpfen. Interessant ist nun, dass in der folgenden Vorstellung des iPads keine solche Überlegenheit deutlich wird. Das iPad kann nichts, was Smartphone und Laptop nicht prinzipiell auch könnten. Und dennoch spricht Jobs immer wieder vom “best web-browsing experience”, vom “best e-mail experience” usw. Denn es ist nicht der Umfang an Funktionen, der das Tablet abhebt, sondern wie der Nutzer diese Funktionen erlebt. Die Interaktion mit dem Tablet ist direkter und intuitiver als mit dem Laptop. Das große Display macht die Nutzung zudem übersichtlicher und schneller als es beim Smaprtphone der Fall ist. Oder mit Jobs Worten: “It’s [Das iPad] so much more intimate than a Laptop and so much more capable than a smartphone with this gorgeous large display.” Während er dies sagt lehnt er sich entspannt auf einem Sessel zurück. Denn da sich der Nutzer mit seinem Tablet nun auch nicht mehr aufrecht hinsetzen muss, sind Tablets auch deutlich bequemer in der Handhabung. Jeff Mathenennt es daher auch ein “chill out device” und bekommt Unterstützung von Studien, die zeigen, dass 59% der iPad-Nutzung zu Hause auf dem Sofa stattfindet.

Die Generation der Anspruchsvollen
Welche Konsequenzen haben Erlebnis und Bequemlichkeit von Tablets nun für Lehren und Lernen? Meiner Ansicht nach, dass sie die Erwartungen der Lehrenden an Design und Interaktivität von digitalen Medien im Allgemeinen und Lernmaterialien im Speziellen in die Höhe schrauben werden. Ähnliches bewirken auch schon Computer- und Videospiele, was u. a. den Serious Games Auftrieb gibt. Lernende werden wohl immer häufiger erwarten, dass ein Inhalt oder eine Funktion auch für alle ihre mobilen Endgeräte verfügbar ist. Ein schlichtes PDF wird als Dareichungsform wahrscheinlich nicht mehr ausreichen. Vielmehr könnte ein Bedarf entstehen Vorlesungsskripte, Schulbücher und Schulungsunterlagen mit Autorensoftware wie iBooksAuthor zu ansprechenden, interaktiven Erlebnissen zu machen. Das mag man mit guten Gründen ablehnen, doch werden Schüler und Studenten, die als Kinder mit dem iPad das Alphabet gelernt haben, im Schul- und Hochschulalter wohl weit weniger mit Arbeitsblättern und Foliensätzen abzuspeisen sein, als die jetzige Generation. Statt dessen werden sie erwarten, dass man ihnen den Lerninhalt auf dem Silber-Tablet serviert.

Bild: kizilkayaphotos (istockphoto); opco12

3 Comments Post a comment
  1. Schöner Artikel! Den “chill out” Faktor beim iPad gibt es sicherlich. Es jederzeit zur Hand zu haben, kann für das tägliche Lernen besonders wertvoll sein. Meist benötigt man ja schnell eine Information, wenn situativ eine bestimmte Frage auftaucht. Und da möchte man meist nicht extra den Computer booten. Man beobachtet das ja auch schon bei kleinen Kindern: “Das können wir doch schnell auf dem iPad nachschauen.”
    Und das gezielte (und auch das zufällige) Aufstöbern von Informationen in einer entspannten Situation -beispielsweise auf dem Sofa – kann dem Lernen eigentlich nur förderlich sein.

    May 13, 2012

Trackbacks & Pingbacks

  1. konzeptblog » #opco12 - Tablet Computing - eine Zwischenbilanz
  2. Brockgoogle: Macht immer mehr Information immer schlauer? « learning4me

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: