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Vom Campus ins Büro: MOOCs im Unternehmen

MOOC

Kaum ein anderes Thema prägt den E-Learning- Diskurs der letzten Jahre so sehr wie das der MOOCs. Insbesondere im universitären Kontext werden derzeit verschiedene Szenarien erprobt und diskutiert. Vor dem Hintergrund ihrer Entwicklung zum Enterprise 2.0 werden aber auch Unternehmen hellhörig und fragen sich, welchen Platz MOOCs in der betrieblichen Weiterbildung haben.

Flexibel lernen im Enterprise 2.0
Wenn Unternehmen die Weiterbildungsform ihrer Mitarbeiter zunehmend überdenken, hängt dies auch mit ihrer Entwicklung zum Enterprise 2.0 zusammen. Denn die gegenwärtigen Arbeits- und Lernmodelle werden als sperrig und nicht mehr zeitgemäß empfunden. Das hat nicht nur damit zu tun, dass erst der Computer, dann das Internet und nun Social Media die Arbeitswelt beschleunigt haben. Vielmehr setzt der globale Wettbewerb insbesondere die entwickelten Industrienationen unter einen hohen Innovationsdruck. Beides, Geschwindigkeit und Innovation, sind dabei nur mit flexiblen Arbeits- und Lernformen denkbar.

Wie genau sie das Lernen nun verändern muss, erläutert u. a. Prof. Dr. Niemeier in einem Interview im Vorfeld des CLC13. Ihm zufolge übernehmen die Mitarbeiter grundsätzlich mehr Verantwortung für ihr Lernen. Anstatt darauf zu warten, dass der Vorgesetzte oder die Personalabteilung konkrete Lernvorgaben machen, erkennen die Mitarbeiter ihren Lernbedarf selbst und suchen sich eigenständig eine passende Lernform. Dabei stehen besonders solche Formate hoch im Kurs, die Inhalte schnell, d. h. ohne lange Konzeptionsphasen aufgreifen können, sich leicht in den Arbeitsalltag integrieren lassen und eine individuelle Partizipation ermöglichen. Weiter erläutert Niemeier, dass die Mitarbeiter bereits einen großen Fundus an Wissen und Erfahrungen mitbringen, die es für das Unternehmen zu bergen gilt.

Interview mit Prof. Dr. Joachim Niemeier im Vorfeld des CLC13.

Wie MOOCs den Lernanforderungen gerecht werden
Stellt man Niemeiers Erläuterungen den Eigenschaften eines MOOCs gegenüber, wird sehr deutlich, warum sich diese Lernform so gut eignet, den Lernbedarfen der Mitarbeiter gerecht zu werden. MOOCs stehen grundsätzlich jedermann offen, da es keine Teilnehmerbegrenzung gibt und sie durch das Online-Format auch von überall und zu jeder Zeit zugänglich sind. Dies erleichtert die Integration in den Arbeitsalltag ungemein. Darüber hinaus können die Teilnehmer ihre Partizipation flexibel skalieren. In Kurseinheiten mit hoher Relevanz bringen sie sich intensiv in den Diskurs ein und arbeiten sich sorgfältig durch die bereitgestellten Quellen. Bei Themen, die sie als weniger interessant empfinden, beschränken sich die Teilnehmer hingegen auf das Ansehen des Impulsvortrags und das Mitlesen der Beiträge. Darüber hinaus können MOOCs aktuelle Themen besonders schnell aufgreifen. Denn ist die Infrastruktur erst einmal hergestellt und das fachliche Netzwerk aktiviert, kann binnen weniger Wochen ein neuer Kurs aufgebaut oder ein neues Thema in einen bestehenden Kurs integriert werden.

Die größte Stärke von MOOCs ist jedoch ihr Fokus auf Teilnehmerpartizipation. So beschränken sich die Kursverantwortlichen und Fachexperten primär darauf Struktur, Materialien und Impulse bereitzustellen und überlassen die Diskussion und Ergebnisfindung den Teilnehmern. Dabei kann sich jeder ganz individuell einbringen und sein Wissen und seine Erfahrungen mit den Mitlernenden teilen. Das stärkt nicht nur den Praxisbezug des MOOCs, sondern bringt das im Unternehmen verteilte Wissen an zentraler Stelle zum Vorschein. Hierin wird auch deutlich, wie gut MOOCs geeignet sind, Menschen zusammen zu bringen und zu vernetzen. Denn wie das Video von educause zeigt, ist das Vernetzen eine zentrale Komponente nicht nur des Lernens, sondern auch des Arbeitens.

Video von educause zur Vernetzung in MOOCs.

Wie können Unternehmen MOOCs einsetzen?
Die Tatsache, dass MOOCs den gewandelten Lernanforderungen mehr als gerecht werden, macht sie zu einem unverzichtbaren Bestandteil jedes Enterprise 2.0. Das bedeutet jedoch nicht nur, dass Unternehmen externe MOOCs als Weiterbildungsform akzeptieren müssen, sondern auch, dass sie die Möglichkeiten interner MOOCs berücksichtigen sollten. Mit dem Social Intranet und Social Business Networks ist die IT-Infrastruktur meist bereits vorhanden. Auch Experten und Community Manager sollten sich im Unternehmen leicht finden lassen. Bleibt die Frage nach dem Anlass des MOOCs.

1. MOOCs, um Trends zu eruieren:
Unternehmen sind regelmäßig mit neuen Trends aus ihrer Branche konfrontiert. Welche Auswirkung diese Trends für das Unternehmen haben werden, ist dabei oft unklar. Warum also nicht einen MOOC aufsetzen, um eben diese Frage mit allen interessierten Mitarbeitern zu diskutieren? Aufgabe der Kursverantwortlichen wäre es hier, Experten und Materialien zu den Themen des Trends aufzutreiben und in eine Kursstruktur zu übertragen. Im Verlauf des Kurses diskutieren die Mitarbeiter nun die einzelnen Themen, je aus ihrer ganz persönlichen Perspektive. Die Community Manager tragen die Ergebnisse zusammen und reichen sie schließlich an die strategische Führungsebene weiter. Diese erhält damit eine wichtige Entscheidungshilfe für den weiteren Umgang mit dem Trend.

2. MOOCs als Instrument des Change Management:
Ein weiteres MOOC-Szenario ist die Begleitung von Veränderungen im Unternehmen. Die Einführung eines neuen Prozesses, einer Technologie oder einer Software erfolgt zumeist in mehreren Schritten. Im Zuge des Change Managements würde jeder dieser Schritt durch eine Kurseinheit eines MOOCs begleitet. So erhalten die Mitarbeiter zu jedem Schritt nicht nur Informationen, sondern haben auch die Möglichkeit diese zu diskutieren. Die dabei aufkommenden Bedenken können aufgegriffen und bei der weiteren Kommunikation der Veränderung berücksichtigt werden.

3. MOOCs für regelmäßige Fresh-ups:
Jenseits von ereignisabhängigen MOOCs können Unternehmen auch von regelmäßigen MOOCs profitieren. Wie schon im Video von educause beschrieben, ist es durchaus denkbar, jährlich fachbezogene MOOCs zu veranstalten, in denen sich die Mitarbeiter über die aktuellen Trends ihres Feldes austauschen. Die gemeinsame Diskussion hilft dabei den konkreten Alltagsbezug herzustellen. Kommen die notwendigen Experten von außerhalb des Unternehmens, gelangen zudem neue Impulse hinein.

MOOC_Trio

Drei mögliche Szenarien eines MOOCs im Unternehmen (eigene Darstellung).

Fazit: Die Liste möglicher MOOC-Szenarien ließe sich sicherlich noch erweitern. Um verbindliche Aussagen zu den jeweiligen Potentialen treffen zu können, bedarf es allerdings noch einiger Erfahrungsberichte und Evaluationen. Schon jetzt lässt sich aber sagen, dass MOOCs besonders geeignet sind, den Lernanforderungen im Enterprise 2.0 gerecht zu werden. Das Gelingen eines MOOCs steht und fällt dabei mit der Partizipation der Mitarbeiter. Ein engagiertes Community Management ist hier ebenso gefragt, wie ein offene Unternehmenskultur.

Quelle Titelbild: esenkartal (istockphoto).

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