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Ich muss leider draußen bleiben

Exklusion

Seien es MOOCS, Communitys oder Personal Learning Networks – Social Learning-Formate stellen hohe Anforderungen an die Lernkompetenz der Teilnehmer. Kritiker bemängeln daher, dass Lernen mit Social Media zu viele Menschen ausschließen würde. Ist Social Learning also am Ende tatsächlich nur einer kleinen Lernelite vorbehalten?

Neues Futter für eine alte Diskussion
E-Learning-Veteranen mag die Diskussion um die fehlende Medien- und Lernkompetenz der Lernenden bekannt vorkommen. Denn schon als die ersten “Computer-based Trainings” in die Unternehmen einzogen, warnten Didaktiker vor der drohenden Überforderung der Mitarbeiter. Zu klein sei die Erfahrung im Umgang mit Lernsoftware, zu schwierig die Selbststeuerung des Lernprozesses. Etabliert haben sich die CBTs, die heute meist WBTs heißen, dennoch. Das mag daran gelegen haben, dass das Effizienzversprechen der E-Learning-Befürworter schon damals schwerer wog, als die didaktischen Vorbehalte der Gegner. Vielleicht waren die Bedenken aber auch immer übertrieben oder haben sich die Menschen einfach mit der Zeit an die neuen Lernbedingungen angepasst. Was auch immer der Grund gewesen sein mag – man könnte schlussfolgern, dass die Angst vor der Überforderung damals genauso überzogen war wie heute. Man möchte meinen, die Menschen werden das mit dem Social Learning schon hinbekommen.

In der Vielfalt liegt die Krux
Ganz so einfach wie damals lässt sich die Kritik an den neuen Lernformen aber leider nicht abschmettern. Denn ging es bei CBTs und WBTs lediglich um abgeschlossene Lerneinheiten mit definiertem Inhalt, sehen sich dei Menschen beim Social Learning einer riesigen Vielfalt an Inhalten, Tools und Lernwegen gegenüber. Mit fällt immer wieder auf, dass die Probleme der Menschen mit dem vermeintlichen Überangebot an Informationen erheblich sind. Auch von Digital Natives mit akademischem Hintergrund höre ich, dass sie sich in der Inhaltsfülle ihrer sozialen Netzwerke verloren fühlen, dass sie Angst haben, etwas Wichtiges zu übersehen. Auch Danial Staemmler (s. Tweet) beobachtet dieses Phänomen. Wem jetzt das Schlagwort “Filter Failure” durch den Kopf geht, mag in der Sache Recht haben, wird damit aber bei den Zweiflern nicht weit kommen. Schließlich ist die Umstellung der eigenen Lerngewohnheiten ein Wandel, der als solcher auf die üblichen Widerstände stößt. Es mag an unserer fremdgesteuerten Lernhistorie liegen oder auch an controlling-fixierten Weiterbildungsabteilungen – aber Social Learning müssen die meisten von uns erst noch lernen.

 

Tutor, Begleiter oder Concierge – auf die Unterstützung kommt es an
Vielleicht würde es tatsächlich ausreichen darauf zu warten, dass die Zeit das Problem lösen wird. Gut möglich, dass es genug ist, einfach weiter Social Learning für kleine Zielgruppen zu implementieren, bis die Generation Y hieraus eines Tages ein Massenformat macht. Wer so viel Geduld hat – bitte! Doch aus meiner Sicht erscheint es klüger, die Menschen aktiv an Social Learning heranzuführen. Vom E-Tutor bis zum Lernbegleiter gibt es dafür ja schon ausreichend Konzepte. Auch auf Jane Harts Learning Concierge verweise ich hier gerne noch einmal. Interessant ist in diesem Kontext zudem die Rolle der Community Manager. Wer Social Learning als einen permanenten Prozess versteht, kommt nicht umher, Community Management als eine Form des Lern-Supports zu verstehen.

Fazit: Nur weil Social Learning noch nicht massenkompatibel ist, bedeutet das nicht, dass es keine Pilotprojekte und Experimente geben dürfe. Forschungsarbeiten und Erfolgsbeispiele sind wichtig, um die Akzeptanz auch auf Entscheiderebene zu stärken. Damit Social Learning jedoch kein exklusiver Club bleibt, müssen wir den Lernenden heute noch die Tür aufhalten.

3 Comments Post a comment
  1. Danke für den Beitrag, Herr Riesenbeck. Ich sehe Social Learning allerdings eher als eine uralte und ganz natürliche Form des Lernens, die wir alle gut beherrschen. Social Learning ist auch gar nicht an Technik gebunden. Soziale Medien erleichtern nur die Kommunikation zwischen den Menschen, und ermöglichen sie, wo das vorher gar nicht, oder nur mit großem Aufwand möglich war.
    Ein Hinweis auf ein ganz ausgeprägtes soziales Lernen, ist der große Anteil informellen Lernens in Unternehmen, der meist zwischen 80 und 90 % des Lernens in Unternehmen angegeben wird. Das geschieht oft über Gespräche mit Kollegen oder Experten um ein aktuelles Problem zu lösen. Das scheint mir klassisches soziales Lernen zu sein. Und wenn das einen so hohen Verbreitungsgrad hat, dann kann man daraus schließen, dass eigentlich alle Mitarbeiter Meister im sozialen Lernen sein müssen.

    Vielleicht können wir diese Diskussion ja auf dem CorporateLearningCamp fortsetzen (http://colearncamp.hessenmetall.de/). Würde mich freuen!

    Beste Grüße
    Karlheinz Pape

    August 29, 2014
    • Hallo Herr Pape, im Grunde bin ich ganz bei Ihnen. Lernen war schon immer ein sozialer Prozess und findet größtenteils informell statt. Allerdings denke ich, dass die Virtualisierug dieses etablierten Prozesses doch noch einige Hürden mit sich bringt. Zum Beispiel ist das Gespräch an der Kaffeemaschine eine vertrauensvolle 1:1 Situation, der Austausch in der Community hingegen eine öffentliche n:n Situation. Auch, wenn ich überzeugt bin, dass jeder Mensch grundsätzlich das Potential hat, auch in solchen Situationen gelungen zu lernen, ist dies dennoch kein Selbstverständlichkeit.
      So viel schon einmal an dieser Stelle. Ich bringe diesen Gedanken sehr gerne ins CLC ein. Vielleicht schaffe ich es vorher auch schon ihn in einem weiteren Blog-Post zu fixieren.

      August 29, 2014
      • Ja, das trifft den wirklichen Unterschied: 1:1 oder n:n! Wobei n:n Chancen und die Risiken vermutlich gleichermaßen ansteigen läßt. Freue mich auf die Diskussion beim CLC14!

        August 30, 2014

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