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Die Päpstin zu Gast in Karlsruhe: Jane Hart @ Learntec 2015

Learntec_Hart

Halbleere Publikumsreihen sind bei der Learntec keine Seltenheit. Doch als heute Jane Hart aufs Kongress-Podium trat, schlossen sich die Reihen fast durchgängig. Kein Wunder, schließlich gilt Hart vielen als Learning-Päpstin schlechthin. Nun bleiben ihr 45 Minuten, ihrem Ruf gerecht zu werden.

Neue alte Lernforschung

Wer von den einleitenden Worten Harts überrascht ist, der muss der Lernforschung bisher gänzlich fern geblieben sein. Sei es die Vergessenskurve von Ebbinghaus, der mangelnde Transfer nach dem Seminarbesuch oder die Unbeliebtheit von E-Learning – nichts davon ist neu. Erschreckend ist allerdings, dass diese Themen immer noch Aktualität haben. Denn Lösungen für die Ineffektivität ihrer Bildungsangebote haben die wenigsten Lernverantwortlichen in der Schublade. Wenn Hart den Menschen im Saal also nichts Neues erzählt, so legt sie doch den Finger in die Wunde: Wir werden den Bedarfen unserer Lerner nicht gerecht.

Learning in the Modern Workplace from Jane Hart

 

Mobile, Social und Performance Support?

Jetzt ist es an Hart, Antworten zu liefern. Was sollen wir anders machen? Mobile Learning? Social Learning? Oder doch besser Performance Support? Von allem etwas! Hart zeigt, wie Menschen tatsächlich Lernen: Sie googlen, fragen Kollegen oder probieren es einfach aus. All dies tun sie autonom, ohne dass ein LMS sie zum Absolvieren eines Tests zwingt. Und sie tun dies im Laufe ihrer Arbeitstätigkeit, nämlich genau dann, wenn ein Problem auftritt. Dabei geht der Trend immer mehr zu kleinen Wissenseinheiten, am besten als Videos, die Nutzer selbst erstellen und teilen können. All das funktioniert ja in Social Media schon so schön. Also ja, das Lernen muss mobil verfügbar sein, sollte in Communitys geteilt werden und im jeweiligen “moment of need” verfügbar sein. Okay, auch das hat man alles schon irgendwo mal gehört und kann man, glaubt man den Aufschriften an den Messeständen, auch direkt hier auf der Learntec einkaufen.

Ja, aber…

Nun möchte man den Saal schon fast wieder ruhigen Gewissens verlassen, stünde da nicht dieses Aber im Raum. “Aber wir haben das mit den Wikis doch schon probiert, aber es hat einfach niemand genutzt.” “Bei uns haben aber nicht alle Mitarbeiter mobile Endgeräte.” Diese und andere Vorbehalte mögen vielen nun durch den Kopf gehen. Denn die Theorie des mobilen, socialigen und performanten Lernens ist einfach. Die Implementierung in der Praxis jedoch eine Herausforderung – oder sagen wir es auf Altdeutsch: sie ist ein echtes Problem. Denn die Menschen lernen einfach nicht social, nur weil die Plattform da ist, zumindest nicht die Mehrheit. Dass Teilen von Wissen gilt vielerorts noch als Verspielen der eigenen Machtposition. Und wie of begegnen Ihnen eigentlich Mitarbeiter, die gerade mit ihrem Tablet ein Lernnugget für Kollegen erstellen? Lernen ist eben immer auch ein kulturelles Element, dass von vielen weichen Faktoren beeinflusst wird. Und das “Schlimmste” daran ist, dass diese Lernkulturen je nach Team, Standort und Hierarchie höchst unterschiedlich sind.

Der Learning Concierge berät das Team

Dies ist der Punkt, an dem Hart wirklich gefordert ist: Wie bringen wir das neue Lernen zum Fliegen? Ein Patentrezept hat natürlich auch Hart nicht, aber das spricht sogar eher für als gegen sie. Vielmehr zeigt sie dem Publikum, wie sie selbst bei ihren Kunden etwas Konkretes bewirkt. So bespielt Hart nicht das Management mit Beraterfolien, sondern geht sie in einzelne Teams. Sie taucht ein in die Arbeitswirklichkeit der Menschen und lernt ihre Abläufe und Kulturen kennen. Hier berät sie die Teammitglieder, wie sie ihr Lernen verändern können, um ganz konkrete Verbesserungen zu erzielen. Es geht nicht darum, wie das Unternehmen weltweit Social Learning einführt, sondern wie die sieben, acht Teammitglieder im Activity Stream ihr Wissen teilen und diskutieren. Hart nennt diese Beraterrolle Learning Concierge.

Keine Ausreden mehr!

Noch einmal: Auch der Learning Concierge ist kein Patentrezept. Er kann und will die Notwendigkeit formellen Lernens auch nicht aufheben. Was der Concierge aber mehr als deutlich macht ist, dass Veränderung im Kleinen stattfindet. Unternehmen können eine neue Lernwelt nicht einfach ausrollen, wie sie eine neue Software ausrollen. Wenn sich wirklich etwas verändern soll, braucht es Menschen, die bereit und fähig sind, diese Veränderung mit den Menschen im Kleinen zu gestalten. Diesen Service anzubieten, ist etwas, dass jeder Learning Professional schon heute leisten kann.

Am Ende steht also zumindest implizit ein Appell: Wenn Sie für das Lernen anderer verantwortlich sind, gehen sie zu diesen Menschen und ermutigen Sie sie, ihr Lernen zu verändern – und zwar jetzt!

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